Amnesty International Gruppe Gelnhausen

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Gruppe Gelnhausen

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Die Amnesty International Gruppe Gelnhausen

Wie es begann
1980 starteten Schülerinnen und Schüler des Grimmelshausen Gymnasiums Gelnhausen eine Initiative zur Gründung einer Amnesty International-Gruppe. Einige Lehrer unterstützten sie dabei. Das war der Anstoß zur Bildung der Gelnhäuser Gruppe Amnesty International. Sie bestand zunächst aus ca 20 Mitgliedern, von denen heute noch 2 aktiv in der Gruppe mitwirken. Am Anfang wurde die neue Gruppe unterstützt und begleitet von der schon länger bestehenden Hanauer ai-Gruppe. Unter ihrer Anleitung fanden die ersten Veranstaltungen in Gelnhausen und die Beteiligung an „Briefaktionen“ statt. Als 1981 das 20jährige Bestehen der Organisation mit einer großen Veranstaltung in Langenselbold gefeiert wurde, beteiligte sich auch die Gelnhäuser Gruppe Im Dezember 1982 erfolgte die offizielle Anerkennung als ai-Gruppe; und sie bekam auch gleich ihren ersten „Fall“ zugewiesen: ein Solidarnosc-Mitglied, dem vorgeworfen wurde, verbotene Duckschriften verteilt und ein Streikkomitee gegründet zu haben. 1984 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen. Erfolg der ai-Arbeit?? Der zweite Fall: ein Arzt aus Syrien, dem vorgeworfen wurde, Mitglied einer verbotenen Partei zu sein. Das war eine schwierige und frustrierende Fallarbeit. Von 1985 bis 1992 war die Gruppe damit beschäftigt, ohne je eine Rückmeldung zu erhalten. Wir wollten schon aufgeben, als wir 1992 plötzlich die Mitteilung erhielten, der Arzt sei frei gelassen worden. Großer Jubel! Weitere Fälle betrafen u.a. Rumänien und Sudan.

Das führt zu den Fragen:
Was ist die Aufgabe der Gruppe und wie arbeitet sie?
Amnesty International wurde als Gefangenen-Hilfs-Organisation gegründet; d.h. dass sie sich für politische Gefangene einsetzt, die Gewalt weder befürwortet noch angewandt haben. Jede Gruppe bekam von der Zentrale in London einen „Fall“, einen Gefangenen zugewiesen, für den sie sich einsetzen musste. Wie das geschah? In der Hauptsache durch Appell-Briefe an die Machthaber, um sie dazu zu bringen, die Gefangenen frei zu lassen. Einfluss konnte man nur gewinnen, wenn man den Diktatoren deutlich machte, dass sie im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit standen und ihr Unrecht bekannt war. Auch Diktatoren legen Wert darauf, in der Öffentlichkeit als so genannte „Ehrenmänner“ angesehen zu werden. Häufig bekam ai Briefe von freigelassenen Gefangenen, die sich für diese Hilfe und Unterstützung bedankten. Manchmal gelang es auch, eine drohende Hinrichtung aufzuschieben und eine neue Untersuchung zu veranlassen. Was davon auf die Arbeit von ai zurückzuführen ist, können wir nie mit Sicherheit wissen. Die Methoden der Unterdrückung und Verfolgung änderten sich inzwischen. Immer häufiger kam es zu „Verschwindenlassen“, zu Folter und Hinrichtungen. Also musste Amnesty ihre Arbeitsmethoden anpassen. Neben der sog. Fallarbeit wurden die „Eilaktionen – urgent actions“ besonders wichtig: wenn eine Hinrichtung, eine lebensbedrohende Maßnahme bekannt wird, sind alle Mitglieder und alle Menschen aufgefordert, eine Brieflawine zu starten, um das drohende Verhängnis aufzuhalten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Beteiligung sog. „Kampagnen“, zu Krisengebieten wie z.B. Südafrika, Mittelamerika u.a. und zu Themen wie Todesstrafe, Folter, Verschwindenlassen, Gewalt gegen Frauen, Einsatz von Kindersoldaten. Aus der Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International war durch allmähliche Erweiterung des Mandats die Menschenrechtsorganisation Amnesty International geworden. Anfang der 90er Jahre wurde im ehemaligen Kasernengelände in Gelnhausen eine Außenstelle des Erstaufnahmelagers Schwalbach für Flüchtlinge eingerichtet mit bis zu 1000 Personen , davon ein großer Anteil zur Untätigkeit verurteilter junger Männer der verschiedensten Ethnien. In dieser angespannten Lage bildete sich das „Aktionsbündnis für ein ausländerfreundliches Gelnhausen“. Die Amnesty-Gruppe arbeitete mit in diesem Bündnis, vor allem engagierte sie sich in der Beratung der Asylbewerber.

Warum ist die Öffentlichkeitsarbeit für Amnesty so wichtig?
Nur wenn die Weltöffentlichkeit mit dem Finger auf Menschenrechtsverletzungen zeigt, besteht die Hoffnung auf Abhilfe.

Wie sieht die Öffentlichkeitsarbeit der Gelnhäuser Gruppe aus?
Ein Beispiel: An Ständen, zumeist an der Kinzigbrücke, sprachen die Mitglieder die Passanten an, informierten sie und baten um Unterschriften auf Petitionslisten oder Briefen. Regelmäßig bietet die Gruppe Veranstaltungen zu aktuellen Menschenrechtsfragen an, wie z.B. Ausstellungen und Podiumsdiskussionen. Im Rahmen von VHS-Kursen fanden einmal im Semester Veranstaltungen zu Menschenrechtsfragen statt (Afghanistan, Kindersoldaten, Folter, Gewalt gegen Frauen u.a.) Ausstellungen zu diesen Themen fanden im Rathaus-Foyer und im Main-Kinzig-Forum statt. Auf Anfrage besuchen Mitglieder der Gruppe Schulklassen, um über die Arbeit von ai zu informieren. Weitere Veranstaltungen dienen zugleich der Öffentlichkeitsarbeit und der Geldbeschaffung.

Wozu dient die Geldbeschaffung?
Amnesty International ist unabhängig von allen Parteien, staatlichen Institutionen und wirtschaftlichen Unternehmen. Die Organisation finanziert sich nur durch Spenden. Ihre politische und finanzielle Unabhängigkeit ist von ausschlaggebender Wichtigkeit. Aber wozu braucht sie Geld? Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich, mit Ausnahme der Mitglieder der Zentrale. Sie brauchen Geld für die Koordination der gesamten Arbeit und vor allem für die „Researchers“. Das sind Mitarbeiter, die in den verschiedenen Ländern Informationen sammeln und die untersuchen, ob die ihnen gemeldeten Fälle tatsächlich von ai adoptiert werden können. Das Ansehen und damit die Arbeit von Amnesty steht und fällt mit der Glaubwürdigkeit und Korrektheit der Informationen. Diese Arbeit kostet Geld. Jede Gruppe ist daher verpflichtet, jährlich einen bestimmten Betrag an die Zentrale abzuführen.

Wie sieht die Finanzbeschaffung der Gelnhäuser Gruppe aus?
Mitte der 80er bis Mitte der 90er Jahre organisierte sie Kunstmärkte in der ehemaligen Synagoge, die von Künstlern aus der Region unterstützt wurden. Sie spendeten den Verkaufserlös ihrer Werke ganz oder teilweise Amnesty. Zur Eröffnung der Ausstellungen fanden jeweils Podiumsdiskussionen zu Menschenrechtsfragen, Konzerte, Kabarett oder Theateraufführungen statt. Benefiz-Konzerte zugunsten von ai veranstalteten z.B. das Vokalensemble Gelnhausen, der Happy-Day-Chor, die Gelnhäuser Spielleut, die Gruppe Sandkorn, die Jazzband des GGG, die Big-Band der Deutschen Schule Budapest. Die Theateraufführungen mit Peter Lehmann: „Der Bataraz“, die Berliner Compagnie: „Terra, Terra“, waren ein großer Erfolg. Außerdem beteiligt sich die Gruppe regelmäßig mit einem Kaffee- und Kuchen-Stand am Gelnhäuser Altstadtfest. Von besonderer Wichtigkeit sind die „Förderer“, die unsere Arbeit mit regelmäßigen Spenden unterstützen. Ihnen und den beiden Kirchengemeinden, Marienkirche und St. Peter, gilt unser besonderer Dank. Die Kirchengemeinden unterstützen seit Jahren unsere Arbeit, indem sie die „Briefe gegen das Vergessen“ vervielfältigen und verteilen. Im Sommer 1982 beschäftigte sich eine Schülergruppe am Grimmelshausen Gymnasium Gelnhausen im Rahmen einer Projektwoche mit dem Thema Amnesty International. Seitdem besteht eine eigenständige Schülerarbeitsgemeinschaft amnesty international am GGG, die von der Gruppe unterstützt wird. Sie übernahm teilweise eigene Fallarbeit, veranstaltete Aktionen auf dem Schulhof, organisierte Konzertlesungen, beteiligte sich an Kampagnen. Mit Abschluss der Schulzeit verlassen die Mitglieder naturgemäß die Arbeitsgemeinschaft, und neue Mitglieder müssen geworben und eingearbeitet werden. Viele der ehemaligen Schüler engagieren sich dann in anderen Städten weiter in einer Amnesty-Gruppe. Leider kommen sie dann in der Regel nicht in unsere Gelnhäuser Gruppe. Deshalb möchte ich mit der Aufforderung an alle Leser schließen, sich doch in unserer Gruppe umzusehen und sich vielleicht zu engagieren. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen.

Für die Amnesty-International Gruppe Gelnhausen

Christel Schmitz-Bonfigt